Parfum-Rohstoffe gewinnen: Destillation, Extraktion und Enfleurage
Rose, Jasmin, Vetiver oder Bergamotte: Ein Duftrohstoff muss gewonnen, aufbereitet und geprüft werden, bevor er in einer Formel verwendet werden kann. Die Methode beeinflusst den Geruch erheblich. Nicht jedes Pflanzenmaterial eignet sich für Destillation; synthetische Duftstoffe entstehen wiederum auf völlig anderen Wegen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Destillation liefert aus geeignetem Pflanzenmaterial ätherische Öle.
- Aus einer Lösungsmittelextraktion können Concrete und Absolue entstehen.
- CO₂-Extraktion ist ein druckabhängiges Verfahren mit eigenem Rohstoffprofil.
- Enfleurage nutzt Fett, um Blütenduft aufzunehmen, und ist heute überwiegend ein Spezialverfahren.
- Kaltpressung ist vor allem für Zitrusschalen relevant; synthetische Duftstoffe sind keine Extrakte.
Von der Pflanze zum verwendbaren Duftrohstoff
Naturstoffe liegen in der Parfümerie nicht einfach als „Blumenduft“ vor, sondern als ätherisches Öl, Absolue, Harzextrakt oder andere definierte Rohstoffqualität. Sorte, Standort, Ernte, Lagerung und Verarbeitung führen zu messbaren und riechbaren Unterschieden. Der Name einer Pflanze allein sagt daher wenig über die konkrete Qualität aus.
Die industrielle Duftpalette umfasst zusätzlich synthetische und biotechnologisch hergestellte Aromastoffe. Sie ermöglichen auch Geruchseindrücke, die aus einer Pflanze nicht in brauchbarer Menge zu gewinnen sind. Das Ziel ist eine passende, reproduzierbare Rohstoffqualität und nicht ein möglichst hoher Naturanteil.
Wasserdampfdestillation: ätherische Öle gewinnen
Bei der Destillation passiert Wasserdampf pflanzliches Material. Flüchtige Bestandteile werden mitgeführt, anschließend kondensiert und von der Wasserphase getrennt. Das Ergebnis kann ein ätherisches Öl und ein aromatisches Hydrolat sein. Pflanzenmaterial, Prozessdauer und Temperaturführung beeinflussen die Zusammensetzung.
Destillation ist etwa bei vielen Kräutern und bei Wurzeln wie Vetiver gebräuchlich. Der Duft des gewonnenen Öls muss nicht exakt wie das frische Pflanzenmaterial riechen: Nicht alle Bestandteile gehen gleich gut über; manche verändern sich unter den Prozessbedingungen.
Lösungsmittelextraktion: Concrete und Absolue
Bei der Extraktion löst ein geeignetes Lösungsmittel neben Duftkomponenten auch Wachse und andere Stoffe aus Pflanzenmaterial. Nach dem Entfernen des Lösungsmittels kann ein Concrete zurückbleiben. Daraus lässt sich durch weitere Aufarbeitung, häufig unter Einsatz von Ethanol, ein Absolue gewinnen.
Absolues können das Profil empfindlicher Blüten besser bewahren als eine Wasserdampfdestillation. Das ist aber kein allgemeines Qualitätsurteil: Reinheit, Rückstandskontrolle, Löslichkeit, Haltbarkeit und der beabsichtigte Duftcharakter entscheiden über die Eignung. Ein Absolue ist chemisch und prozesstechnisch nicht dasselbe wie ein ätherisches Öl.
CO₂-Extraktion: Gewinnung unter Druck
Bei der CO₂-Extraktion dient Kohlendioxid unter definierten Druck- und Temperaturbedingungen als Extraktionsmedium. Die Einstellungen beeinflussen, welche Stoffe erfasst werden. Nach der Druckentlastung wird das CO₂ wieder abgetrennt.
Ein CO₂-Extrakt kann Duftfacetten erhalten, die durch andere Verfahren weniger gut zugänglich sind. Dennoch ist es nicht automatisch besser, nachhaltiger oder hautfreundlicher. Ausbeute, Energieeinsatz, Rohstoffqualität und Sicherheitsbewertung bleiben ausschlaggebend.
Enfleurage und Kaltpressung: zwei Sonderwege
Enfleurage: Duftende Blüten werden mit einer Fettphase in Kontakt gebracht, welche die flüchtigen Duftstoffe aufnimmt. Dieses historische Verfahren war bei empfindlichen Blüten wichtig, ist heute aufgrund des hohen Aufwands aber selten.
Kaltpressung: Bei vielen Zitrusölen werden aromatische Bestandteile mechanisch aus der Schale gewonnen. Ihre Zusammensetzung unterscheidet sich von destillierten Zitrusölen. Bei manchen Zitrusschalenölen muss zudem das phototoxische Potenzial bestimmter Bestandteile berücksichtigt werden. Das Verfahren ist deshalb nicht beliebig austauschbar.
Wie ein Parfümeur den passenden Rohstoff auswählt
Wichtig sind neben dem Geruch die Konzentration der wirksamen Bestandteile, Löslichkeit, Stabilität, Preis, Chargenstreuung, Verfügbarkeit und relevante Sicherheitsbeschränkungen. Ein natürlicher Extrakt kann überraschend viele Einzelkomponenten enthalten; ein synthetischer Duftstoff kann mit geringster Dosis eine bestimmte Facette prägen.
Die gewonnenen Rohstoffe werden anschließend in Akkorden und Formeln kombiniert. Für chemische Eigenschaften wie Flüchtigkeit, Struktur und Substantivität gibt es den bestehenden Hub Duftstoffe & Moleküle.
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Quellen & Referenzen
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Absolue und ätherischem Öl?
Absolue und ätherisches Öl entstehen durch unterschiedliche Gewinnungs- und Aufarbeitungsverfahren. Ihre Stoffprofile sind deshalb nicht identisch.
Wird jeder natürliche Parfumduft aus einer Pflanze extrahiert?
Nein. Einige Geruchseindrücke werden synthetisch rekonstruiert oder als Akkord aus mehreren Stoffen erzeugt.
Ist Enfleurage dasselbe wie das Reifen eines Parfums?
Nein. Enfleurage ist ein Verfahren zur Rohstoffgewinnung. Die Reifezeit des fertig angesetzten Parfums ist ein anderer Schritt.